Open Source News vom Linux Verband
Haste nicht gesehen: Frauen und Open Source
FSF-Tipps, um Frauen in Projekten und Firmen aufzuwerten.
In einer Hinsicht unterscheidet sich die Open-Source-Szene, was Firmen und Projekte angeht, nicht vom proprietären Wettbewerb: Als Entwicklerinnen sind sie in Projekten kaum beteiligt, noch seltener fallen sie als Projektleitende auf. In Open-Source-Firmen beschränken sich ihre Funktionen auf die Bereiche Marketing, PR und FiBu. Die Open-Source-Szene ist möglicherweise noch stärker männerdominiert, als die IT-Branche es ohnehin ist.
Das hat die Free Software Foundation (FSF) vor fast einem Jahr zum Thema einer kleinen Tagung gemacht. Ein dort entstandenes Komitee hat jetzt die Ergebnisse seiner Arbeit vorgelegt. Verfasst von einer Frau, aber es spricht für sich, dass ein Mann per Mail-Rundschreiben darauf aufmerksam macht.
Die Darstellung der Barrieren für Frauen ist selbstkritisch.: Frauen, die in der Bewegung für freie Software mitzumachen versuchten, würden diese als „Boys' Club“ empfinden, der Frauen keine Rolle in ihr zubillige und keine Fehler erlaube. Die von Frauen trotzdem wahrgenommenen Rollen lägen vorwiegend jenseits der Programmierung und würden unterbewertet. Die wenigen aktiven Frauen fühlten sich isoliert. Finanzielle Engpässe würden bei Frauen eher zu einem Hinderungsgrund für Aktivitäten als bei Männern. Es gibt in dem Dokument weitere interessante Hinweise, zum Beispiel auf das Imposter-Syndrom, wobei sogar die Fußnoten noch lesenswerte Quellen sind.
Daraus leitet das Frauenkomitee Empfehlungen ab: Es gelte, Frauen und ihre Arbeit hervorzuheben. Etwas klischeehaft mutet die Anmerkung an, Frauen seien besonders geeignet, weitere Engagierte zu rekrutieren. Mentoren sowie Mailing-Lists und andere Events, die nur Frauen offen sind, könnten Frauen unterstützen. Jeder Art Beitrag zu Bewegung gebühre Anerkennung, auch wenn es nicht um Code geht. Kooperation müsse vor Wettbewerb gehen. Schließlich sei es notwendig, für Frauen mehr Möglichkeiten zu schaffen, ohne finanzielle Zusatzbelastungen an Events und einer besseren Kommunikation teilzunehmen.
Die noch deutlicher ins Detail gehenden Analysen und Vorschläge sind lobenswert. Aber sie beziehen sich in Einzelaspekten eher auf die Situation in den USA. Vieles aber gilt sicher auch für hiesige Verhältnisse. Die Frage ist nur, ob es – wieder einmal – bei wohlmeinenden Texten bleibt.
Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in München.